Langlebende Zähne
Karies ist für Ihr Gebiss eine ständige Bedrohung: Fast alle Nahrungsmittel sind auch ein "Menü" für die Bakterien. Säureattacken aus der täglichen Nahrung entziehen dem Zahnschmelz wichtige Mineralien. Was viele nicht wissen: Nicht nur die Art des Lebensmittels, sondern auch bestimmte Verhaltensweisen fördern die Entstehung von Karies. Ob und inwieweit Lebensmittel die Karies fördern, kann man selbst beeinflussen.
Wer den Inhalt einer Weingummi-Tüte im Verlauf eines Tages verzehrt, schadet seinen Zähnen mehr als jemand, der alles auf einmal isst. Auch die Form, in der man den Zähnen das "Essen" serviert, spielt eine Rolle. Nahrungsmittel, die an den Zähnen kleben (wie z.B. Honig, Müsliriegel und Karamellbonbons) sind besonders Karies fördernd, weil sie lange an den Zähnen haften bleiben.
Zucker raubt Zahnschmelz
In Ihrem Mundraum leben Bakterien, das ist normal. Sie ernähren sich von Kohlehydraten bzw. Zuckern und bauen diese zu Säure ab. Doch wenn sich Bakterien extrem vermehren, etwa durch den Verzehr von Süßigkeiten, kommt es zu einer Überproduktion an Säure. Das greift den Zahnschmelz an. Zucker schädigt die Zähne bereits eine Viertelstunde nach der Mahlzeit. Wenn Sie also Ihre Zähne optimal schützen möchten, sollten Sie unmittelbar nach den Süßigkeiten zur Zahnbürste greifen.
Süßigkeiten sind zwar nicht grundsätzlich ein Tabu, denn Zucker oder Süßes zu verbieten ist weder sinnvoll noch nötig, sagt Prof. Jean-François Roulet vom Zentrum für Zahnmedizin des Berliner Universitätsklinikums Charité. Es komme vor allem darauf an, wie häufig man Süßigkeiten isst, so Roulet. So ist es z.B. nicht sinnvoll, über den ganzen Tag hinweg Süßigkeiten zu essen, sondern stattdessen in einer Sitzung. Wird kein neuer Zucker "nachgeliefert", lässt die Säureproduktion nach einiger Zeit nach. Die im Mund noch vorhandene Restsäure kann der Speichel neutralisieren und die gelösten Zahnschmelzanteile wieder als Kristalle in den Schmelz einbauen (Remineralisation). Werden die Zähne jedoch immer wieder oder kontinuierlich mit Zucker und somit letztlich mit Säure konfrontiert, wird dieser Reparaturvorgang gestört. Entscheidend für die Entstehung von Karies ist also nicht nur die Art des Lebensmittels, sondern auch die Häufigkeit, mit der Sie bestimmte Lebensmittel zu sich nehmen.
Salat löst den Zahnschmelz
Anders als mit den Süßigkeiten verhält es sich mit säurehaltigen Lebensmitteln, die selber Säure enthalten (wie z.B. Essig, Obst oder Fruchtsäften). Diese können die Zähne direkt schädigen, ohne dass der Zersetzungsprozess der Bakterien erforderlich ist.
Jedes Mal, wenn Säure an die Zähne kommt, wird Zahnschmelz aufgelöst und liegt dann in Bestandteilen an der Zahnoberfläche. Nach dem Genuss saurer Nahrungsmittel kann es Sinn machen, mit der Zahnpflege etwa eine halbe Stunde zu warten. Dieses empfahl die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung auf ihrem Kongress im Jahre 1999 in Saarbrücken.
Wer direkt nach dem Verzehr zur Zahnbürste greift, schrubbt sonst den durch die Säure geschwächten Zahnschmelz weg. Erst nach etwa 30 Minuten hat sich dieser durch den Speichel wieder soweit stabilisiert, dass der Zahnschmelz "putzfest" ist. Hier ist es sinnvoller, die Zähne sofort mit einer fluoridhaltigen Mundspüllösung zu umspülen.
Drei Tipps für unterwegs
Zahngesunde Ernährung ist immer ein Zusammenspiel aus "zahngesundem Verhalten" und "zahngesund Essen". Folgende Tipps helfen, Ihre persönliche Kariesprophylaxe umzusetzen:
- "Zwischenmahlzeiten" und "Snacks" immer mit Zahnkaugummis oder fluoridhaltigen Mundspülungen "absichern". Zahnkaugummis erhöhen die Speichelproduktion und mindern die Säuredichte, Mundspülungen mindern die Bakteriendichte. Das Kaugummi ist nur eine Übergangslösung und ersetzt nicht das spätere Zähneputzen.
- Kauen Sie gut. Durch den Kauvorgang werden die Zähne zum einen mechanisch gereinigt, zum anderen wird der Speichelfluss angeregt, der die Säure wieder neutralisiert. Nicht zuletzt deshalb gehören Vollkornprodukte schließlich zur zahngesunden Ernährung.
- Legen Sie sich ein Zahnpflege-Set für unterwegs zu.
- Übrigens: Bewegungsmangel erzeugt den unbändigen Wunsch nach dem "süßen Kick". Probieren Sie es aus: schon ein einfacher Spaziergang an der frischen Luft, reduziert Ihre Lust auf süße Snacks. Das funktioniert sogar bei Regen.


